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Georgsmarienhütte
    Der Funke springt über: Wie bei einem überdimensionalen Elektroschweißgerät  entsteht zwischen einer gigantischen Elektrode und dem Metall ein „Blitz“, eben der Lichtbogen, der das Roheisen schmelzen lässt.
    RadtourMittel

    TERRA.trail 13 - Rund um Stahl und Kohle

    49124 Georgsmarienhütte
    29,00 km
    Strecke
    2:02 h
    Dauer
    166 m
    Anstieg
    166 m
    Abstieg

    Überblick

    Wichtiger Hinweis: Der TERRA.trail 13 ist nur in Fahrtrichtung im Uhrzeigersinn beschildert. Es ist mit waldtypischen Gefahren zu rechnen, wie mangelnde Stand-/ Bruchfestigkeit von Bäumen oder matschigen Wegen mit tiefen Fahrspuren. Das Befahren des Trails erfolgt auf eigene Gefahr.
     
    Los geht’s!
     
    Die katholische Kirche St. Peter und Paul in Georgsmarienhütte (1) wurde in nur drei Jahren zu Beginn des 20. Jh. erbaut. In der alten Kirche von Oesede herrschte nämlich sonntags schon Platzmangel. Immer mehr Arbeiter mit Bergbauerfahrung siedelten mit ihrer Familie in der Nähe der Georgsmarienhütte.
     
    Fast 300 Jahre lang spielte die Papierherstellung in Oesede eine große Rolle. 1602 nahm die erste Papiermühle (2) ihre Arbeit auf.
    Ausgedient: Die alte Papiermühle wurde schon 1890 stillgelegt. Dabei fehlte es nicht an Holz, sondern an Wasser. Ein Stollenbau veränderte die Ergiebigkeit der „Sieben Quellen“. 
    Richtig industriell wurde die Produktion aber erst 1810. Nach holländischem Vorbild ließ ein Osnabrücker Kaufmann die Mühlen modernisieren. Doch dann lieferten die Sieben Quellen für den Antrieb der Mühlen nicht mehr genügend Wasser. Durch den Bau eines Stollens am Lammersbrink wurden wasserführende Schichten angezapft und das hier so benötigte Wasser floss an anderer Stelle ab.
    Zu diesen Sieben Quellen radeln wir jetzt hoch. Jetzt heißt‘s kurz die Zähne zusammenbeißen, denn die ersten Meter sind ganz schön steil. Wir passieren die Gaststätte Forsthaus Oesede, die tatsächlich ursprünglich eine kleine Försterei war. Ein geschäftstüchtiger Förster eröffnete hier eine Schankwirtschaft, die sich später zu einem beliebten Ausflugslokal entwickelte.

    Als Belohnung für den Anstieg folgt jetzt eine schnelle Abfahrt, auf der wir gleich noch einen Schlenker zum Museum Villa Stahmer (3)machen. Feudal lebte damals die Fabrikantenfamilie Stahmer mit Blick auf das Stahlwerk. In dieser 30-Zimmer-Villa ist heute ein Museum untergebracht.
     
    Museum Villa Stahmer
    Karl Stahmer Weg 13
    49124 Georgsmarienhütte
    Tel: 05401/8050-0 40755
     
    Weiter geht’s auf die andere Seite der Hauptstraße, wo wir nach einem kurzen Stück einen Aussichtspunkt mit einigen Erläuterungen zum Stahlwerk finden.
    Wir kommen zum Aussichtspunkt auf das Stahlwerk (4)!
    Rund 1300  Beschäftigte arbeiten hier und produzieren Rohstahl, Walzstahl und Blankstahl, also Vorprodukte, die dann z. B. in der Automobilindustrie weiterverarbeitet werden.
    Wer jetzt gerade wegen fehlender Gangschaltung oder aus anderen Gründen seinen alten Drahtesel verflucht hat, der kann ihm hier mit dem Einschmelzen drohen. Denn das Georgsmarienhütter Stahlwerk verwendet als Rohstoff heute ausschließlich Schrott. Mit dem „Elektrolichtbogenofen“ schmilzt man dort heute das Eisen ein. 600 000 Tonnen Rohstahl werden pro Jahr produziert.
    Aus den Lorenwagen der Hüggeleisenbahn wurde das Eisenerz zusammen mit Kalkstein in die Hochöfen gestapelt. Erst bei einer Temperatur von 1800-2000 C löst sich das schwere Eisen vom restlichen Gestein, der sogenannten Schlacke. Um diese Temperaturen zu erhalten, benötigte man ziemlich viel Kohle aus den Abbaugebieten in Oesede und Borgloh. Das flüssige Roheisen und die Schlackenschmelze wurden durch getrennte Öffnungen, die Stichlöcher, abgelassen. Ca. alle 4 Stunden schoss das flüssige Roheisen funkensprühend aus dem Abstichloch, um dann durch eine Sandrinne in Sandbetten oder Pfannenwagen zu fließen. Heute erzeugt ein sogenannter „Lichtbogenofen“ die nötige Hitze, um das Eisen zu schmelzen. 
    Nur wenig später sind links der Straße ehemalige Werkswohnungen (5) zu sehen, die ab 1871 für Mitarbeiter des Stahlwerks gebaut wurden. Sie sind nur der Rest einer ursprünglich viel größeren Kolonie, die leider Ende der 70er Jahre größtenteils abgerissen wurde. Die grauen Steine, aus denen das Mauerwerk besteht, werden wir später noch genauer kennen lernen.
     
    Das Parkgelände, das sich an die Werkswohnungen anschließt, gehört zum „Kasino“. Eigentlich ist es das ehemalige Gesellschaftshaus des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins, das früher der gesellschaftliche Mittelpunkt der Gemeinde Georgsmarienhütte war. Der Park selbst ist für seine Vielzahl an heimischen und exotischen Bäumen bekannt; die beiden Teiche dienen auch heute noch als Wasserreservoir für das Stahlwerk.
    Über die Ulmenstraße gelangen wir schließlich auf die Malberger Straße. Hinter einer Bahnunterführung geht´s im Kreisel halb links und wenig später erscheint links das Gebäude der Stadtwerke Georgsmarienhütte. Dass es direkt an der Düte, dem Hauptgewässer der „Hütteraner“ steht, ist kein Zufall: Das 1930 errichtete Bauwerk diente ursprünglich als Mühle. Die eigentliche Sehenswürdigkeit liegt hier etwas versteckt unterhalb der linken Straßenböschung: Der Malberger Stollen (6).
    Ein kühnes Vorhaben wurde hier 1847 angegangen: Auf über sechseinhalb Kilometer Länge wollte man von hier aus einen Stollen anlegen, der alle Kohlevorkommen zwischen Malbergen (wo wir uns hier befinden) und Borgloh erschließen sollte. Sechs Jahre lang schufteten hier tagtäglich drei bis fünf Bergleute unter Tage. Um die für den Kohletransport nötigen Gerätschaften aufnehmen zu können, musste man mit 1,6 m Höhe und 1 m  Breite arbeiten. Als Schutz vor dem nachstürzenden Gestein wurde der Gang laufend durch Zimmerung oder Mauerung gesichert. Weil aber die Bergleute nicht die erhofften Mengen an Steinkohle antrafen, wurden die Arbeiten 1853 eingestellt. Immerhin rund 3000 Meter weit, etwa bis zum Oeseder Bahnhof hatte man den Stollen bis dahin in Richtung Osten vorangetrieben. Ganz umsonst waren die Mühen aber auch nicht: Ganz in der Nähe nutzte später ein Landwirt den Stollen als unterirdische Kühlkammer, indem er das kühle Grubenwasser aufstaute und leicht verderbliche Produkte darin lagerte.
     
    Nach so viel Industrie- und Bergbaugeschichte folgt nun ein etwas ruhigerer Streckenabschnitt. Ein würziger Geruch kitzelt vielleicht noch einmal kurz die Nase, wenn wir an einer großen Gewürzfabrik vorbei kommen, dann überqueren wir rechts die Bahn und fahren durch die eigentliche Malberger Siedlung.  Hier bietet sich auch noch einmal ein Blick auf die Rückseite des Stahlwerkes. Ein zweites Mal geht´s durch den Ortsteil Oesede bevor wir nach links in einen schönen Privatweg einbiegen, der auf den Harderberg zuführt.
    Mitten auf der Strecke passieren wir den Hof Gartmann (7). 
    Das Mauerwerk des Wohnhauses links der Straße besteht aus den gleichen grauen Steinen, die wir schon bei den Werkswohnungen gesehen haben.
    Solche „Hüttensteine“ waren früher die Angstgegner der Maurerlehrlinge: Nur ein wirklich guter Maurer war in der Lage, die extrem zähen Schlackensteine mit einem Hammerschlag sauber zu halbieren bzw. zu vierteln und zu achteln.
    Weiter geht‘s zum Ortsteil Harderberg, der uns kräftemäßig noch einiges abverlangt. Durch die Neubausiedlung radeln wir auf die Große Egge hinauf, zum höchsten Punkt dieser Tour. Die Mühe des Anstieges haben wir der Härte des Gesteins zu verdanken: Ablagerungen aus der Jura-Zeit vor rund 140 Millionen Jahren haben hier der Verwitterung wiederstanden und ein Höhenzug wurde herauspräpariert.
     
    Ganz oben auf der Großen Egge verbirgt sich im Buchenwald ein kleiner Grabhügel (8).
    Wäre da nicht eine Tafel am rechten Wegesrand könnte man diese historische Stätte glatt verpassen.
    Von der großen Egge führt eine Straße auf ein Plateau, wo wir in einen Waldweg einbiegen. Da, wo wir wieder aus dem Wald herauskommen, können wir ein kleines Päuschen einlegen: Hier bietet sich sich uns eine tolle Aussicht mit Blick über das Dütetal und auf den Teutoburger Wald. Auch der Iburger Wald mit dem Dörenberg (Höchste Erhebung im Naturpark, 331 m über dem Meeresspiegel) ist gut zu erkennen. 
    Und jetzt aufgepasst! Ein holpriger Weg führt steil den Berg hinunter und bringt uns schließlich bis zur „Glückaufstraße“, die Oesede mit Kloster Oesede verbindet. „Glück auf“ gibt uns auch gleich das richtige Stichwort: Hier im Westen von Kloster Oesede wurde reichlich Kohle gefördert. An zwei unscheinbaren Spuren dieses Bergbaus sind wir gerade zügig vorbeigerauscht: In dem Waldstück am Hang links der Straße gibt es noch einige „Pingen“, Bodenvertiefungen, in denen früher nahe der Oberfläche nach Kohle gegraben wurde. Direkt hinter der Gasstation unten am Waldrand befindet sich der tiefste Punkt des gesamten Stollensystems, das diese Gegend durchzieht. Das Wasser, das hier entlangfließt, ist durch seinen hohen Gehalt an Eisen rot gefärbt.
    Ein Radweg begleitet die Straße bis nach Kloster Oesede hinein. Die Straßennamen in der Siedlung, die hier am Hang liegt, erinnern noch an die Bergbaugeschichte: „Im Kohlsiek“ wohnen die Leute hier, im „Schürffeld“ oder an der „Steigerstraße“. Auch der „Ottoschacht“ (9) ist als Straßennahme verewigt. 
    Dieser Schacht in Kloster Oesede ist ein Zeugnis der damaligen Kohleförderung. Die Kohle hier entstammt aus der unteren Kreide-Zeit vor rund 140 Millionen Jahren und ist damit wesentlich jünger als die Kohle aus dem Ruhrgebiet oder aus Ibbenbüren (300 Millionen Jahre, Karbon-Zeit).
    Hauptabnehmer der Kohle, die hier gefördert wurde, waren übrigens die Salinen in Bad Rothenfelde. Mit ihr wurde das Feuer betrieben, mit dem das Solewasser zur Salzgewinnung eingekocht wurde.
    Kohle entwickelt sich aus den Überresten von Pflanzen, die in großen Mengen tief unter die Erde geraten und dort dem Druck des darüber liegenden Gesteins ausgesetzt sind. Viele Bestandteile der Pflanzensubstanz entweichen dabei. Übrig bleibt vor allem der Kohlenstoff. Der Ursprung der Oeseder Kohle liegt in der unteren Kreide-Zeit, als diese Region eine flache Fluss- und Seenlandschaft war, die hin und wieder vom Meer überflutet wurde. Bei warmem Klima war die Landschaft vermutlich dicht bewachsen.
    Mit ihrem Alter von rund 140 Millionen Jahren ist diese Kohle wesentlich jünger als die, die im Ruhrgebiet und in Ibbenbüren abgebaut wird (300 Millionen Jahre, Karbon-Zeit). Auch ihre Qualität ist weniger hoch.
     
    Unsere nächste Station ist das Kloster, das diesem Ortsteil seinen Namen gibt - Kloster Oesede (10)!
    Anfang des 12. Jahrhunderts gründete hier Edelherr Ludolf von Oesede ein adeliges Frauenstift. Zwei seiner eigenen Töchter bildeten sozusagen den personellen Grundstock. Aber was hat ein Frauenkloster mit dem Bergbau zu tun? Man wird doch keine Nonnen in die Gruben geschickt haben?
    Nein, natürlich nicht. Aber man liest von sogenannten „Laienbrüdern“, die für das Kloster arbeiteten. Und weil das Kloster lange Zeit die Abbaurechte für Steinkohle hielt, durften diese Laienbrüder in mühsamer Arbeit die Kohle ans Tageslicht befördern. Noch lange Zeit nach dem Ende des Abbaus sprach man beim Auffinden alter Bergwerksstollen vom „Alten Mönch“.
    Um 1500 begann man hier mit der Kohleförderung. Mit Unterbrechungen lief er bis 1890. Nach den Weltkriegen lebte der Bergbau kurzzeitig wieder auf.
    Wir gelangen wieder auf die Hauptstraße und verlassen bald den Ortsteil Kloster Oesede. Am Kreisverkehr geht´s rechts ab Richtung Wellendorf. Gemütlich fahren wir durch das Waldstück und überqueren vor dem Hof Suttmeyer den Bahnübergang. Jetzt ist es auch nicht mehr weit bis zu unserer nächsten, recht unscheinbaren Station, dem Suttmeyer Stollen (12).
    Leider ist das Mundloch dieses Stollens – es befand sich direkt neben der Brücke über die Düte – verschüttet. Eine Sichtluke unterhalb der rechten Straßenböschung ermöglicht uns jedoch einen Blick in die Tiefe. Ab 1809 wurde hier 55 Jahre lang fleißig gearbeitet. Recht dicht unter der Erdoberfläche verläuft der Suttmeyer Stollen durch das von uns gerade durchquerte Waldgebiet, am Georgschacht vorbei, bis zum Schacht Kronprinz, der sich bei Wellendorf nahe der A33 befindet.
    Links der Straße „auf der Insel“ passieren wir noch die Fundamente der ehemaligen Ölmühle des Klosters Oesede. Kurz darauf geht es noch am Mühlenteich vorbei und dann hinauf zur Wellendorfer Straße
    Auf den nächsten fünfeinhalb Kilometern erwarten uns keine anstrengenden Streckenabschnitte mehr. Gemütlich radeln wir neben den Feldern zu unserem Start- und Endpunkt in Oesede zurück.
    Und wieder einmal konnten wir sehen, wie die natürlichen Gegebenheiten (in diesem Fall die Rohstoffvorkommen) die Geschichte einer Region beeinflussen können.
     
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    Wenn Ihnen die Tour gefallen hat, probieren Sie doch mal die anderen TERRA.trails . Oder stöbern Sie einfach auf unserer Website . Haben Sie weitergehende Fragen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten? Auch dann helfen wir Ihnen natürlich gerne weiter.
    Merkmale
    Kondition
    Technik
    Erlebnis
    Landschaft
    Höchster Punkt164 m
    Tiefster Punkt80 m

    Eigenschaften

    aussichtsreichgeologische HighlightsRundtourfamilienfreundlichkulturell / historischFlora
    Beste Jahreszeit
    Jan
    Feb
    Nov
    Dez
    overview of the map
    Startpunkt
    49124 Georgsmarienhütte

    Tour und Route gefunden bei:

    Erstellt am: 11.08.2015, Quelle: Natur- und Geopark TERRA.vita, Autor:in: Leon Labuschagne

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