
WanderungMittel
Waldspaziergang: In der Bergbaufolgelandschaft
04928 Plessa
8,79 km
Strecke
2:10 h
Dauer
36 m
Anstieg
36 m
Abstieg
Überblick
Unterwegs im Wald der Bergbaufolgelandschaft
Jeder Wald birgt seine Geheimnisse. Kennt man jedoch seine Geschichte, gibt es im Wald viel mehr zu entdecken als nur Bäume. Der Kippenwald, durch den dieser Waldspaziergang führt, ist charakteristisch für die Bergbaufolgelandschaft im Naturpark. Noch während die Braunkohlegewinnung in Abbaurichtung voranschritt, wurde im rückwärtigen Bereich mit der Rekultivierung begonnen. Das Know-how, wie dies zu bewerkstelligen war und wie mit den oft stark versauerten Böden umgegangen werden muss, wuchs dabei stetig. So ist schon oft an der Art des Waldes erkennbar, in welchen Jahren die Kohle abgebaut beziehungsweise der Wald aufgeforstet wurde.
Die Tour beginnt am Ortsrand von Plessa, wo ein kleiner Fußgängertunnel unter der Bahnlinie hindurchführt. Vorbei an einigen verlassenen Gebäuden aus der Bergbauzeit, die als solche an den beiden gekreuzten Hämmern zu erkennen sind, ist man schon mitten im Gebiet des ehemaligen Tagebaus „Agnes“. Plessa blickt auf eine beinahe 100-jährige Bergbaugeschichte zurück. Hier ging im Jahr 1925 auch die erste Abraumförderbrücke der Welt in Betrieb. Anlässlich des 100. Geburtstags gibt es eine Briefmarkensonderedition.
Charakteristisch für die ersten Wiederaufforstungsversuche von Bergbaufolgelandschaften nach dem Zweiten Weltkrieg war die Einbringung nicht standortgerechter Pionierbaumarten. Neben Birke, Pappel und Robinie erobern auch eher walduntypische Ziergehölze wie Schneebeere und Mahonien dieses Waldstück. Sie stammen vermutlich aus Gartenabfällen. Das wilde Durcheinander verschiedener Baum- und Straucharten deutet darauf hin, dass man hier wachsen lässt, was eben wächst.
Nach einem kurzen Anstieg auf die Hochkippe folgt die nächste Besonderheit: eine große Streuobstwiese mitten im Wald. Diese Wiese war landesweit der erste Versuch, auf einer Kippenfläche Obstbau zu betreiben. 1955 wurden die ersten 325 Kirschbäume gepflanzt, vier Jahre später 500 Apfelbäume. Aufgrund einer Fehleinschätzung des Standortes blieb die Obsternte jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Die Fläche wurde lange Zeit vernachlässigt und schließlich in eine Streuobstwiese umgewandelt.
Der Weg führt südlich um die Streuobstwiese herum und in den „Märchenwald“. Um eine Birke zu sehen, muss man meist nicht weit gehen. Aber ein Wald, der fast nur aus Birken besteht, ist in Deutschland eher selten und typisch für unsere Bergbaufolgelandschaft im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Dieser Birkenwald wurde als Windschutz gepflanzt, die Bäume sind inzwischen über 70 Jahre alt. In den 1950er Jahren war die Birke die einzige Baumart, die mit den sauren Bedingungen auf den Kippenböden gut zurechtkam. Erst später entwickelte die forstliche Forschung Methoden zur Bodenverbesserung (Kalkung, Lockerung, Düngung), sodass auch andere Baumarten gut gedeihen konnten.
Verlässt man den Birkenwald in Richtung Westen, so folgt man gleichzeitig einem Ausschnitt aus der Abbaugeschichte entlang eines Zeitstrahls quer durch die Abbaustände von 1941 bis 1960. Der Rundweg führt in einen Kiefernforst mit Roteichenschneisen zu einer Abbruchkante der Hochkippe. Ein Blick nach unten zeigt die typischen schwarzen Dünen der Abraumhalden. (Gut zu wissen: Roteichenschneisen werden häufig als Brandschutzstreifen gepflanzt. Die Nadelstreu der Kiefer ist leicht entzündlich. Das Laub der Roteiche hingegen ist schwer entflammbar und liegt wie ein Teppich auf dem Waldboden).
Auf dem Rückweg verlässt man schließlich das Bergbaugebiet, erkennbar an den alten Eichen im Waldbild. Sie blicken auf eine noch längere Geschichte zurück als der Abbau von Braunkohle in der Region.
Aus dem Wald kommend hat man einen guten Blick auf zwei Zeugen der Industriegeschichte. Rechts ragen die Türme des ehemaligen Kraftwerks Plessa in die Höhe, links die alte Brikettfabrik. Beide sind seit 1992 stillgelegt. Als Kontrast steht dazwischen wieder ein Kraftwerk, diesmal mit der Sonne als Rohstoffquelle.
Merkmale
Kondition
Technik
Erlebnis
Landschaft
Höchster Punkt131 m
Tiefster Punkt97 m
Eigenschaften
hundefreundlichAussichtsreichgeologische HighlightsRundtourkulturell / historisch
Beste Jahreszeit
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Startpunkt
04928 Plessa
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