Pilgerwege in Deutschland – Neue Kraft schöpfen

Früher galt das Pilgern fast ausschließlich als religiöses Motiv. Heute wird auch gepilgert, ohne dass man einer bestimmten Religion angehören muss. Entweder um dem Alltagsstress zu entkommen, den Kopf frei zu bekommen oder ein neues Ziel zu erreichen. Der Pilgerweg ist ein Weg zu sich selbst.

illustration: Landschaft mit einer Kapelle im Hintergrund.

Wann ist ein Weg ein Pilgerweg?

Die Pilgerreise ist in allen Weltreligionen eine besondere Art, die Beziehung zu Gott zu pflegen. Viele berichten, dass sie auf dem Weg göttliche Kräfte spüren. Der Brauch ist schon Jahrtausende alt und es gibt ihn in allen Religionen. Das Wort “pilgern” kommt aus dem Lateinischen (“pergere” oder “per agere”) und bedeutet “wandern” und “in der Fremde sein”. Als Menschen sind wir ständig unterwegs – tagtäglich. Jedoch pilgern wir in unserem gewohnten Umfeld umher – zur Arbeit, zum Sport und zu Partys. Auf einer Pilgerreise in die Fremde sind die Erfahrungen und Erlebnisse das, was viele Menschen tief berührt und bewegt.

Der Weg ist das Ziel.

Beim Pilgern ist man stets auch auf der Reise zu sich selbst. Das ist auch oft der wahre Grund des Pilgerns und unterscheidet den Pilgerweg von einer normalen Wanderung.

Das Phänomen des Pilgerns

Im Mittelalter hofften die Menschen auf eine Heilung beim Pilgern, wodurch ein regelrechter “Pilgerboom” einsetzte. Abraham gilt als einer der ersten Pilger. Er suchte mit seiner Familie das verheißene Land Kanaan und auch für ihn standen die Erlebnisse unterwegs im Vordergrund. Im Laufe der Geschichte wurden die Orte, an denen Jesus sich aufgehalten hatte, zu beliebten Pilgerzielen. An diesen heiligen Orten wurden Wallfahrtskirchen errichtet. Erst später, mit Beginn der Heiligenverehrung wurden auch Gräber von Märtyrern und Heiligen zu Anziehungspunkten.

Seit einigen Jahren ist das Pilgern in Europa wiederentdeckt worden. Das Pilgern bedeutet zusätzlich auch eine Kur für Körper, Seele und Geist.

Pilger auf einem Pilgerweg am Morgen
© jorge-luis-ojeda-flota/Unsplash

Deutschlands schönste Pilgerwege

Jakobsweg mit Wegmarkierung
© Martin Schütz/AdobeStock

Der Jakobsweg wird durch eine goldene Muschel gekennzeichnet.


Lutherweg

Der Reformator Martin Luther wanderte angeblich damals vom Reichstag in Worms bis zur Wartburg in Eisenach. Nach dem 500. Jahrestag der Reformation wurde der Lutherweg erweitert, damit Pilger alle wichtigen Lebensstätten Luthers besichtigen können. Das grüne L kennzeichnet den Weg, der zwischendurch parallel zur Via Regia oder dem Jakobsweg läuft.

Alte Salzstraße

Auf dieser historischen Handelsroute, auf der damals das Salz transportiert wurde, fahren heute vor allen Dingen Radfahrer durch das Herzogtum Lauenburg. Die Route ist insgesamt 116 Kilometer lang und führt dich am Kloster Lüne und dem Schiffshebewerk Scharnebeck vorbei. Auf deiner Route liegen unter anderem auch das Holstentor und das Buddenbrookhaus.

Deutsche Märchenstraße

Wie der Name bereits ankündigt, bist du auf diesem Pilgerweg den Lebensstationen der Gebrüder Grimm auf der Spur. Die Strecke ist rund 600 Kilometer lang und führt doch von Hanau über verschiedenste Wege bis nach Bremen.

Eifelsteig

Dieser Pilgerweg verbindet die beiden Städte Aachen und Trier miteinander. Du passierst den Eifeler Nationalpark. Auf diesem Weg kannst du die beiden Klöster Steinfeld und Himmerod besichtigen. Die 313 Kilometer lange Route gilt als landschaftlich besonders abwechslungsreich, vorbei an Europas größtem Hochmoor, dem Hohen Venn, den verkarsteten Kalkfelsen und den Sandsteinhöhlen.

Loccum-Volkenroda

Auch wenn er nicht historisch belegt ist, folgt der Pilgerweg von Loccum-Volkenroda den Spuren der Zisterzienser Mönche und Nonnen und verbindet ihre ehemaligen Klöster Loccum und Volkenroda.

Gebrüder Grimm Denkmal
© pure-life-pictures/AdobeStock

Wie fit muss man zum Pilgern sein?

  • Prinzipiell kann jeder auf einem Pilgerweg wandern. 5 km am Stück solltest du aber wandern können.
  • Es ist von Vorteil, wenn du dich gern bewegst. Tempo und Tagesstrecke kannst du selbst bestimmen.
  • Für jede Pilgerroute gibt es Alternativen: Wähle die für dich geeignete Strecke.
  • Du musst keine Höchstleistung erbringen! Genieße das Erlebnis des Wanderns in Ruhe.

Weitere Fragen:

“Gehe ich lieber allein oder in Gesellschaft?”
“Wie gehe ich mit dem Allein-Sein um?”
“Was kann mir auf dem Weg passieren?”

Mach dir nicht zu viele Gedanken, leg einfach los. Beispielsweise gibt es auf dem Jakobsweg, der durch Spanien führt, eine gute Infrastruktur und ein funktionierendes Gesundheitssystem. Hilfreich kann es hier sein, ein paar spanische Begriffe zu erlernen, damit schnelle Hilfe gewährt ist. In unserer Packliste findest du auch einige Utensilien, die dir bei der Selbstverteidigung helfen können. Einen Pilgerweg allein zu beschreiten, kann ungewohnt sein. Aber oft findest du auf einem Pilgerweg auch Gleichgesinnte.

Landschaft an einer Küste
© philipp-deus/unsplash

Kosten

Pilgern kann sehr günstig, aber leider auch relativ teuer werden. Den Jakobsweg kannst du mit überschaubarem Budget beschreiten und sogar mit weniger Kosten wegkommen, als bei einem Urlaub. Wer allerdings fünf Wochen lang lieber in teuren Hotels übernachtet anstatt in günstigen Herbergen, wird mit deutlich höheren Kosten rechnen müssen.

Du kannst mit folgenden Kosten rechnen:

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Packliste Pilgerweg

Oft erkennst du einen erfahrenen Pilger am geringen Gepäck. Wichtig ist die Funktionalität des Gepäcks, da du es jeden Tag auf den Schultern tragen wirst. Es zählt also:

1. Plane gut und nimm im Zweifel einen Teil weniger mit.
2. Spare nicht an der Ausrüstung!

Du solltest beachten, dass das Gewicht des Rucksacks nicht unbedingt auf die Kondition auswirkt, sondern auch eine Last für Bänder, Knochen und Sehnen sein kann.

Deine Packliste für den Pilgerweg:

  • Tekking-Schuhe und -hosen
  • Poncho / Regenjacke
  • T-Shirts und Langarmshirts
  • Turnhose
  • Fleece-Pullover
  • Winddichte Jacke
  • Hut oder Tuch
  • 3 Paar Wandersocken
  • Funktionswäsche
  • Sonnenbrille
  • Dreieckstuch
  • Gürtel
  • Badesachen
  • Sandalen
  • Schlafsack
  • Isomatte
  • Wasserflasche
  • Taschenlampe
  • Taschenmesser
  • Handwaschmittel

Tipp:

Packe deine Utensilien in einzelne Plastiktaschen. Auch wenn bei Regen der Poncho über den Rucksack gezogen wird, kann es sehr klamm werden im Rucksack.

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